Die Geschichte unseres Gymnasiums reicht zurück bis in die Mitte der 1950er-Jahre und spiegelt in besonderer Weise die bildungs- und gesellschaftspolitischen Entwicklungen in Berlin wider. Sie ist geprägt von strukturellen Veränderungen, prominenten Besuchern, politischen Umbrüchen und einem stetigen Wandel, der unsere Schule zu dem gemacht hat, was sie heute ist.
1956 – Gründung als „Schule am Ellernweg“
Am 1. September 1956 wurde die „Schule am Ellernweg“ als Grundschule eröffnet, um die überfüllte Grundschule am Sterndamm zu entlasten. Mit einer Investition von 2,5 Millionen DM gehörte sie zu den ersten Schulneubauten in Berlin nach dem Zweiten Weltkrieg und galt als Vorzeigeprojekt des Bezirks Treptow-Köpenick.
Das Gebäude verfügte über eine Turnhalle, Kellerräume, ein Arztzimmer sowie einen Hort, der ursprünglich vergessen worden war und später in einem benachbarten Wohnhaus untergebracht wurde. Besonders bekannt war die Aula mit ihren kunstvollen Wandmalereien. Diese gingen 2006 zwar im Rahmen einer Sanierung verloren, das Wandbild wurde jedoch rechtzeitig geborgen, restauriert und befindet sich heute im oberen Foyer der Schule.
1960er-Jahre – Umwandlung zur 9. Polytechnischen Oberschule
Nur wenige Jahre nach der Eröffnung wurde das Gebäude zur „9. Polytechnischen Oberschule (POS)“ umgewidmet. Diese Schulform der DDR vereinte alle Klassenstufen unter einem Dach, ohne Auflösung der Klassenverbände. 1961 besuchte sogar der kubanische Volksbildungsminister Armando Hart im Rahmen eines Berlin-Aufenthaltes die Schule.
Zu den ehemaligen Schülerinnen und Schülern zählt auch ein heute international bekannter Politiker: Gregor Gysi, langjähriger Vorsitzender der Partei Die Linke.
1973 erhielt die Schule erstmals einen offiziellen Namen: Sie wurde nach Herta Geffke benannt, einer Widerstandskämpferin gegen den Nationalsozialismus und DDR-Politikerin.
Politische Spannungen 1968
Ein einschneidendes Ereignis prägte das Jahr 1968: Im Zuge des Prager Frühlings wurden DDR-Lehrkräfte – auch an unserer Schule – verpflichtet, eine Resolution zur Unterstützung des militärischen Eingreifens der Warschauer-Pakt-Staaten zu unterzeichnen. Zahlreiche Lehrkräfte verweigerten dies und wurden daraufhin verhört, mit dem Nationalsozialismus verglichen und schließlich strafversetzt oder fristlos entlassen. Erst nach der politischen Wende 1990 wurden diese Maßnahmen als Unrecht anerkannt und die Betroffenen rehabilitiert.
Alltag in der DDR: Werkunterricht und Patenbetrieb
Zum Schulalltag gehörten regelmäßiger Werkunterricht sowie Arbeitseinsätze im Patenbetrieb VEB Kühlautomat am heutigen Segelfliegerdamm. Alle DDR-Schulen verfügten über einen solchen Patenbetrieb, in dem das Unterrichtsfach „PA – Praktische Arbeit“ durchgeführt wurde.
1990er-Jahre – Wendezeit und Umgestaltung zum Gymnasium
Mit der politischen Wende 1990 wurden die Polytechnischen Oberschulen abgeschafft. Unsere Schule wurde zu einem Gymnasium mit französischem Schwerpunkt umgewandelt und erhielt den Namen „Philippe-Cousteau-Oberschule“, benannt nach dem französischen Naturfilmer Philippe Cousteau. Die Umwidmung erfolgte 1993 im Beisein seiner Tochter.
Das heutige Haus B gehörte damals noch nicht zum Schulgelände; es beherbergte eine Fachhochschule für soziale Berufe (Sala Kochmann).
2005–2008 – Zusammenlegung und Sanierung
2005 fiel die Entscheidung, die Philippe-Cousteau-Oberschule mit der Ernst-Friedrich-Oberschule zusammenzuführen. Der Standort am Ellernweg wurde beibehalten, Haus B in die neue Struktur integriert und das gesamte Gelände grundlegend saniert.
Am 31. Januar 2007 erhielt die Schule ihren heutigen Namen: Gebrüder-Montgolfier-Gymnasium, benannt nach den französischen Luftfahrtpionieren Joseph-Michel und Jacques-Étienne Montgolfier. Der Namensvorschlag stammte von der Lehrerin Frau Nastarowitz, die zur Wiedereröffnung eine Festrede hielt.
2017 – Pilotschule und Modernisierung
2017 wurde das Gebrüder-Montgolfier-Gymnasium zur Pilotschule des Landes Berlin ernannt. In diesem Zuge erfolgte eine umfassende Modernisierung der technischen Ausstattung. Seitdem stehen unter anderem iPads, interaktive Tafeln, Beamer und moderne Präsentationstechnik in allen Gebäudeteilen zur Verfügung. Der Regierende Bürgermeister Michael Müller war bei der offiziellen Übergabe anwesend.
Historische Spuren auf dem Schulgelände
Auch heute finden sich zahlreiche Hinweise auf die bewegte Geschichte der Schule – von der Bronzeplastik mit den beiden Kindern (ehemals ergänzt um ein Flugzeug und einen Drachen) bis zu alten Fundamentresten und Schriftzügen hinter Haus B, die an frühere Schulstrukturen erinnern.
Unsere Schule hat im Laufe der Jahrzehnte viele Generationen geprägt: Schülerinnen und Schüler, Lehrkräfte, Bürgermeister, Magistratsmitglieder und internationale Gäste haben hier gelernt, gelehrt und gewirkt. Diese Vielfalt sowie der Mut zur Veränderung bestimmen bis heute das Selbstverständnis des Gebrüder-Montgolfier-Gymnasiums.
